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Abtauchen mit Leidenschaft

 

 

SPORT Tauchlehrerin Bea Vanessa Müller "Unterwasserliebe"

Wetzlarer Neue Zeitung, Jahrgang 72, Nr. 91, Seite 11,
01.04.2017 von Ann-Christin Kuhlmann

Wetzlar Bunte Korallen, Tiere und Pflanzen: Die Unterwasserwelt ist faszinierend für Bea Vanessa Müller. Damit auch ihre Tauchschüler künftig gefahrlos in diese gigantische Unterwelt eintauchen können, gibt ihnen die 26-Jährige ihr Wissen weiter - und ihre Leidenschaft.

 

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Ob im See, im Roten Meer oder unter einer dicken Eisschicht: Bea Vanessa Müller vom Tauchclub Wetzlar taucht für ihr Leben gerne. Dabei ist der Bonbadenerin kein Abenteuer zu groß: "Letztes Jahr habe ich in Ägypten beispielsweise in zehn Metern Tiefe ein Unterwassershooting mit einer Seekuh gehabt - das war ein unvergessliches Erlebnis."

Die wichtigste Regel ist, nie alleine tauchen zu gehen

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Schon seit ihrer Jugend brennt das Herz der 26-Jährigen für den Tauchsport: "Ich kam durch meinen Vater zum Tauchen. Er ist Tauchlehrer im Verein und hat mir alles beigebracht." Müller, die seit dem vergangenen Jahr selbst über eine Tauchlehrerlizenz verfügt, habe durch ihren Vater vor allem gelernt, wie wichtig es ist, in keiner Situation panisch zu reagieren, sondern ruhig nach einer Lösung zu suchen. Denn: "Die größte Gefahr unter Wasser geht nicht von aggressiven Tieren wie etwa Quallen oder Rotfeuerfischen aus, sondern vom Menschen selbst, wenn er in Panik gerät", sagt Müller.

Jederzeit könne es passieren, dass ein Taucher sich in trüben Gewässern vertaucht oder seine Flasche in 40 Metern Tiefe Pressluft verliert oder vereist. Um ihre Tauchschüler für solche Extremsituationen zu rüsten, gibt Müller regelmäßig Theorie- und Praxiskurse. "Geht unter Wasser etwas schief, sollte ich in jedem Fall ruhig bleiben und darauf vertrauen, dass mein Tauchpartner mir hilft." Tauchen sei nicht nur Kopfsache, sondern auch ein Partnersport. Die wichtigste Regel laute, niemals alleine zu tauchen.

Nicht nur unter, sondern auch über Wasser sei Teamwork wichtig: "Die 20 bis 30 Kilogramm schwere Ausrüstung ohne Hilfe anzuziehen, ist sehr mühsam", weiß die Tauchlehrerin. Sich gegenseitig die Flasche auf den Rücken zu heben oder aus dem Wasser zu helfen, gehöre einfach zum Tauchen dazu.

Viel wichtiger als eine körperliche Topform ist es, sich im Wasser wohl zu fühlen

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Müller ist sich sicher: "Zusammenhalt beugt Tauchunfällen vor". In 35 Vereinsjahren sei es im Tauchclub Wetzlar noch nie vorgekommen, dass ein Tauchgang tödlich endete. Damit dies weiterhin so bleibt, führen Tauchlehrer und Übungsleiter des Vereins Begeisterte schrittweise an den Tauchsport heran.

Dass Müller einmal Tauchlehrerin werden wolle, sei der angehenden Ärztin schon lange klar gewesen. Der endgültige Startschuss fiel dann im April 2015: "Bei einem Treffen des Hessischen Tauchsportverbandes wurde mir ein Stipendium für den ,Tauchlehrer der Stufe 1' angeboten." Nachdem die 26-Jährige sowohl die Theorieprüfung als auch den praktischen Teil im französischen Mittelmeer mit Bravour meisterte, erhielt die Bonbadenerin die Lizenz, Anfänger auszubilden. Momentan ist Müller dabei, die nächsthöhere Tauchlehrerlizenz zu erlangen, um künftig auch Fortgeschrittene weiterzubilden.

Neben Erwachsenen führt Müller auch Kinder ab zwölf Jahren an den Tauchsport heran. Das erfordere viel Einfühlvermögen. "Es ist wichtig, den Körper der Kinder nicht zu überfordern. Sie können nicht schwer heben, frieren leichter und ihre Psyche ist anders." Auch Verantwortungsbewusstsein spiele bei der Arbeit mit Kindern eine große Rolle. Verantwortung sei Müller jedoch seit ihrem 14. Lebensjahr gewohnt, als sie Kindern beim DLRG das Schwimmen beibrachte.

Müller hat immer wieder feststellen dürfen, dass vor allem eines beim Tauchen von Bedeutung ist: "Viel wichtiger als eine körperliche Topform ist es, sich im Wasser wohl zu fühlen." Dann sei das Risiko für eine Stresssituation deutlich geringer.

Trotz ihrer Erfahrung hätten es Tauchschüler hin und wieder geschafft, die Geduld der 26-Jährigen auf die Probe zu stellen: "Im Schönbacher See entfernte sich einmal ein Schüler von der Gruppe, um in 20 Metern Entfernung einen Fisch zu beobachten. Ein anderer schaltete nachts seine Lampe aus, weil ihm die Dunkelheit gefiel. Beides kostete mich Nerven, weil ich im Ernstfall nicht hätte eingreifen können."

Trotz solcher Vorfälle in Gewässern mit schlechter Sicht ziehe Müller diese einem Frei- oder Hallenbad jederzeit vor: "In den Gewässern unserer Region gibt es viel zu entdecken." Am liebsten tauche Müller im See in Messinghausen: "Dieser türkisblaue Tauchsee bietet bei 40 Metern Tiefe in der Regel 20 Meter klare Sicht." Auch besteche er durch versenkte Boote und Autos.

Challenge accepted: Mein erster Tauchgang

Einmal selbst mit Ausrüstung tauchen, diese Vorstellung reizte mich schon häufiger – nun wurde aus Traum Wirklichkeit. Der Tauchclub Wetzlar lud mich ein, am Anfängerkurs für Erwachsene teilzunehmen. Angeboten – angenommen: Samstagfrüh um 7.45 Uhr  fiel der Startschuss. 13 Tauchbegeisterte warteten mit mir auf den Einlass in das Pohlheimer Hallenbad. Dann ging es los. Wir teilten uns in drei Gruppen auf. Zu meiner Gruppe gehörten Tauchlehrerin Bea Vanessa Müller, Übungsleiter Gerhard Heinz und die beiden Wetzlarer Stefan Zink und Ralf Weyers.

Nachdem wir im 50-Meter-Becken Bahnen mit Schnorchel und Flossen geschwommen sind und gelernt haben, wie eine geflutete Taucherbrille unter Wasser durch Ausatmen wieder mit Sauerstoff gefüllt werden kann, ging es an die Ausrüstung. Bea führte vor, wie die Instrumente an die Flasche geschlossen werden und wie das Tarieren zum Ausgleich des Gewichts funktioniert. Dann brachte sie uns noch die wichtigsten Handzeichen bei, bevor der erste Tauchgang startete.

Um den Teamgeist zu stärken, tauchten wir jeweils zu zweit. Einer nahm seine Taucherbrille ab, sein Partner führte ihn an der Hand durch das Wasser. Auch übten wir Schrauben und Rollen oder stießen den Atemregler von uns, um ihn nach zehn Sekunden wieder zum Mund zu führen. Für den Fall, dass einem Taucher die Pressluft in der Flasche ausgeht, probierten wir noch die Wechselatmung aus.

Im Anschluss gab es ein gemeinsames Frühstück mit Nachbesprechung im Tauchclub. Was lief gut, was sollte verbessert werden? Ich durfte Tauchen als Sportart kennen lernen, bei der Vertrauen und Teamgeist groß geschrieben werden. Es war nicht mein letzter Tauchgang, das ist sicher.  (ack)